Die Saatkrähe – eine unserer größten Singvogelarten

Drei schwarze Vögel sitzen im Geäst eines Baumes. Saatkrähen (Corvus frugilegus) – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Rabenkrähe und zur Altersbestimmung ist der hellgraue Schnabelansatz des Altvogels rechts im Bild, links im Bild junge Saatkrähen mit befiedertem Schnabelansatz; Foto: Mathias Putze

Saatkrähe, Rabenkrähe oder Kolkrabe?

Die Saatkrähe gehört zusammen mit der Rabenkrähe und Nebelkrähe sowie dem Kolkraben und der Dohle zur Gattung Corvus aus der Familie der Corvidae – Krähenverwandte. Dohlen sind wesentlich kleiner als Krähen und Kolkraben sind deutlich größer. Nebelkrähen gibt es in Bayern kaum, sie leben überwiegend im Norden und Osten Deutschlands.

Die Grafik zeigt vier Bilder von Krähen, welche im Quadrat angeordnet sind. Links sind zwei Bilder von Saatkrähen, oben eine junge mit Federn am Schnabelansatz, unten eine adulte mit kahlem, grauem Schnabelansatz. Rechts sind zwei Rabenkrähen untereinander abgebildet, beide mit befiedertem Schnabelansatz. Der Schnabel der Rabenkrähen ist minimal kürzer und breiter als der Schnabel der Saatkrähen. Unterschiede zwischen Saatkrähe und Rabenkrähe
  • Die Saatkrähe ist ähnlich groß wie die Rabenkrähe.
  • Im Alterskleid unterscheiden sich die beiden Arten durch die kahle Schnabelbasis der Saatkrähe und die befiederte Schnabelbasis der Rabenkrähe.
  • Die Jungvögel der Saatkrähe sind der Rabenkrähe sehr ähnlich, was zu Verwechslungen der beiden Arten führen kann. Erst im zweiten Lebensjahr verlieren die jungen Saatkrähen langsam die Federn an der Schnabelwurzel, und bekommen dann das typische Aussehen der Saatkrähe.
  • Wie bei allen Krähenvögeln sind die Geschlechter äußerlich gleich.
  • Durch die etwas längeren und tiefer gefingerten Schwingen und den keilförmigen Stoß ist die Saatkrähe im Flug von der Rabenkrähe zu unterscheiden.
  • Als gesellig lebende Vogelart hat die Saatkrähe ein ausgeprägtes Sozialverhalten entwickelt und kommuniziert lautstark. Rabenkrähen brüten paarweise und sind territorial.

LfU Projekte zum Saatkrähenmanagement

Modellprojekt Saatkrähenmanagement 2020 – 2024

In einem Modellprojekt in der Region Asbach-Bäumenheim wurden 2020 bis 2024 das Verhalten von Saatkrähen, landwirtschaftliche Schäden und Vergrämungsmaßnahmen untersucht und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen erste Lösungsmöglichkeiten für Betriebe und Kommunen.

Pilotprojekt erweitertes Saatkrähenmanagement ab 2025

Das Pilotprojekt erweitertes Saatkrähenmanagement bezieht die letale Einzelentnahme durch Abschuss als Maßnahme im Saatkrähenmanagement mit ein. Es werden landwirtschaftliche Fraßschäden verringert und Konflikte der Anwohner in der Nähe von Saatkrähenkolonien bestmöglich gelöst.

Die Saatkrähe – Gefährdung und Schutz

Vor mehr als 100 Jahren war die Saatkrähe ein verbreiteter Brutvogel Bayerns. Der Bestand wurde um 1898 anhand einer Umfrage bei königlichen Forstämtern in staatlichen und Gemeindewäldern auf 10.425 Nester beziffert. Angaben zu Nestern in privaten Wäldern fehlen aus dieser Zeit. Durch intensive Verfolgung – die Saatkrähe galt als Schadvogel für die Landwirtschaft – wurde der Bestand stark dezimiert und erreichte 1955 einen Tiefstand von etwa 1.000 Brutpaaren.

Erst mit in Kraft treten des Bundesnaturschutzgesetzes wurde am 01.01.1977 die Saatkrähe unter Schutz gestellt. Die Saatkrähe ist besonders geschützt, wie auch Rotkehlchen, Amsel und Spatz. Sie ist keine streng-geschütze Art, wie zum Beispiel Steinadler oder Uhu es sind.

In Folge der Unterschutzstellung trat eine langsame Bestandserholung ein, die bis heute anhält.

Lebenszyklus, Fortpflanzung, Verhalten und Verbreitung

Saatkrähen werden am Ende des zweiten Lebensjahres geschlechtsreif. Von Mitte März bis in den April hinein werden drei bis sechs Eier gelegt, die 16-19 Tage bebrütet werden. Das Männchen füttert während dieser Zeit das allein brütende Weibchen. Beide Partner füttern die Jungvögel ca. einen Monat im Nest. Nach dem Ausfliegen werden die flüggen Jungvögel noch mindestens vier bis sechs Wochen betreut. Die natürliche Mortalitätsrate bei Jungvögeln ist hoch, weniger als 50% überleben das erste Jahr.

Besonders im Winterhalbjahr fallen innerhalb und in der Umgebung von München, Augsburg, aber auch in anderen Städten Bayerns große Schwärme von Saatkrähen auf. Dabei handelt es sich neben den ansässigen Brutvögeln auch um Zugvögel aus anderen Teilen Europas.

Innerorts trifft man die Saatkrähe vor allem in der Nähe von Großparkplätzen, Schulen oder Grünanlagen an. Hier bedienen sich die Saatkrähen wie andere Rabenvögel an Essensresten, die oft reichlich zu finden sind. In Grünanlagen werden, wie auf Wiesen und Äckern, Würmer, Käfer und andere Boden bewohnende Kleinlebewesen erbeutet. Außerhalb der Ortschaften sind Wiesen die bevorzugten Nahrungshabitate.

Auch zur Brutzeit im Frühling sind Saatkrähen in einigen Teilen Bayerns in großen Mengen zu beobachten. Über 95% aller Saatkrähen in Bayern brüten in Städten oder innerhalb von 100m zu Ortschaften.

Die Anlage von Kolonien in der Feldflur ist heute eher die Ausnahme. Die frühere Bejagung außerorts und weiter stattfindende illegale Verfolgungen oder Störungen an den Kolonien sowie innerstädtische Fütterungen treiben Saatkrähen in die Städte. Bevorzugte Brutplätze sind hier Parks und andere Grünanlagen und Baumbestände. Autoverkehr, Beleuchtung oder Spaziergänger nehmen die Vögel nicht als Gefahren war, selbst wenn sie sich direkt unter den Nestern aufhalten.

Saatkrähen sind aufgrund ihres sozialen Verhaltens sehr kommunikationsfreudig. Viele Krähen können viel Lärm erzeugen. Deshalb verursachen Saatkrähenkolonien in Ortschaften in manchen Fällen Probleme mit den Anwohnern. Dies ist zwar meist auf die Monate März bis Mai beschränkt, die Probleme sind jedoch für die direkten Anwohner von großen Kolonien gravierend. Die Folge sind sowohl legale Vergrämung (durch die Naturschutzbehörden genehmigte Maßnahmen zur Minderung der Beeinträchtigungen) als auch häufig illegale Übergriffe in Eigeninitiative, die zur Zerstörung einzelner Koloniestandorte bzw. zur Vertreibung der Vögel führen. Unkoordinierte Aktionen ohne Konzept bedeuten aber in der Regel eine Aufsplitterung der Kolonien in mehrere Teilkolonien und somit häufig eine Verlagerung und Vervielfachung der Probleme.

Die Abbildung zeigt eine physische Reliefkarte des Freistaats Bayern in der die Saatkrähenkolonien als Punkte dargestellt sind. Dabei werden die Kolonien hinsichtlich ihrer Größe kategorisiert dargestellt. Die Kategorien lauten: 1-20 Brutpaare, 21-200 Brutpaare, 201-400 Brutpaare, 401-750 Brutpaare und 751-1500 Brutpaare. Mit zunehmender Koloniegröße wird der Punkt größer dargestellt. Die Verteilung der Punkte lässt einen deutlichen Schwerpunkt in der südlichen Hälfte Bayerns erkennen. Sehr gut auf der Karte zu erkennen ist die deutliche Konzentration der Kolonien in den Flussniederungen Brutverbreitung der Saatkrähe in Bayern im Jahr 2025

Das Monitoring erweist sich zunehmend schwieriger, da die Zahl der Kolonien durch die Aufsplitterungen nach Vergrämungsaktionen zunimmt.

Im aktuellen Monitoringbericht "Die Saatkrähe in Bayern 2025" geben wir einen Überblick über die Bestandsentwicklung der Saatkrähe in Bayern im Zeitraum von 2008 bis 2025. Dabei wird die Bestandsentwicklung auf Ebene der Regierungsbezirke wie auch auf Ebene der Städte dargestellt.